Schloss Büren an der Aare


Beteiligte(r) Künstler Mercurius Weisenstein
Titel
ohne Titel
Material und Masse Malerei auf Putz, 8 Bildfelder, ca. 220 x 70 cm; Gorilla ca. 80 x 60 cm
Standort Fassade Schloss Büren an der Aare
Besitzerin Kanton Bern
Auftraggeberin Amt für Gebäude und Grundstücke (AGG)
Anlass Restaurierung der historischen Schlossfassade
Produktionsjahr 2006
Auswahlverfahren Eingeladener Wettbewerb, durchgeführt von der Kommission für Kunst und Architektur, der Denkmalpflege und dem AGG
Vorgaben Ergänzung der historischen Malerei von Josepf Plepp im Bereich der 8 Bildfelder unter Berücksichtigung des Bildprogramms. Einbindung der zeitgenössischen Bilder in die Gesamtfassade.

BESCHRIEB






1. Ausgangslage

Das Schloss Büren ist der bedeutendste bernische Schlossbau der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts. Als Landvogteisitz wurde es 1620 bis 1624 vom Werkmeister Daniel Heintz errichtet. Das Schloss nimmt im platzartig geweiteten Raum des Städtchens Büren eine zentrale Stellung ein.
1623 hatte der damals 28-jährige Neffe des Werkmeisters, der Universalkünstler, Maler, Architekt und Kartograph Joseph Plepp die Hauptfassade und einen Teil der Westfassade vollflächig dekorativ zu bemalen. Eine Ueberstreichung der Fassade in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts brachte die Malereien zum Verschwinden und eine unglückliche Fassadenrenovation hat 1938 die Gesamtwirkung in ihr Gegenteil verkehrt, so dass das Gebäude einen etwas biederen Heimatstilcharakter erhielt. Die Restaurierung 2003 konservierte die Steinhauerarbeiten und suchte den ursprünglichen Ausdruck der Hauptfassade wiederherzustellen.
Glücklicherweise ist die Fassadendekoration auf Bilddokumenten des 17.Jahrhunderts und in Aquarellkopien von 1938 überliefert. Leider hat man bei der Renovation von 1938 den Putz über den zwei unteren Fensterreihen abgeschlagen und ersetzt und damit die dortigen Malereien zerstört (Text: Ausschnitte aus dem Wettbewerbsprogramm).

2. Restaurierung und Wettbewerb

Mit der Wiederherstellung der Wandmalereien von Büren, soweit sie erhalten sind und der Rekonstruktion des dargestellten Programms, gewinnt der Kanton Bern ein einzigartiges Kulturdenkmal zurück.
Gestalterisch vermochte das Gesamtbild nicht ganz zu befriedigen. Das Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern, die Kant. Denkmalpflege und das Amt für Kultur des Kantons Bern schrieben darum im Januar 06 einen Wettbewerb aus mit dem Ziel, die 8 leeren Bildfelder der Hauptfassade wieder zu füllen und damit der Fassade ihre Stabilität zurückgeben.
Aus den eingereichten Vorschlägen der 6 eingeladenen Teilnehmer/innen des Wettbewerbs wurde meine Arbeit ausgewählt.

3. Konzept und Idee

Nach der Prüfung anderer Möglichkeiten habe ich beschlossen mich an das historische Bildprogramm zu halten. Auch die Position der einzelnen Allegorien ist unverändert geblieben. Bei der Wahl und Ausgestaltung der Motive dagegen habe ich darauf verzichtet, die historischen Relikte nachzuschöpfen. Vielmehr ist mir wichtig, die neue Malerei als zeitgenössisch erkennbar zu machen, in der Art der Bildtextur, der farblichen Umsetzung und indem die Erarbeitung mit dem Computer spürbar bleibt.
Bei der Gestaltung der Allegorien habe ich auf Narration verzichtet und stattdessen versucht, Stimmungen zu erzeugen, die auf knappen Ausschnitten und Texturen basieren. Die Motive stützen sich auf eine zeitgenössische Bildästhetik wie sie in der Werbung oder am Fernsehen verwendet wird. Dadurch kontrastieren sie deutlich zu den historischen Bildern. Indem sie aber von einem Werbezweck befreit sind, gewinnen sie die nötige ironische Distanz zur Konsumwelt. Aus der Nähe betrachtet bewegen sich die Motive wegen ihrer Auflösung in Farbflächen an der Wahrnehmungsgrenze. Erst aus Distanz, im Gesamtblick des Gebäudes, erschliessen sie sich. Sie bilden damit eine Gegenthese zur Vorstellung, wonach etwas besser zu erkennen sei, je näher die Untersuchenden einer Sache kommen könnten.
Ich habe auch darauf geachtet, farbliche und texturelle Bezüge zu den rekonstruierten, «alten» Malereien zu schaffen. Die neuen Bildfelder sollen sich in die Gesamterscheinung der Fassade integrieren, sich aber keinesfalls unterordnen, sondern gleichberechtigt neben den historischen Malereien stehen.



Bildfeld Luft

rechts Ausschnitt




Bildfeld Erde

rechts Ausschnitt


Enthüllung
der neuen Bildfelder
7. November 2006




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4. Umsetzung

Die Motive wurden in der oberen Reihe mit klassischen Pausen, unten mit Projektion auf die Fassade übertragen. Die Farbtöne wurden schon im Atelier vorgemischt und am Objekt teilweise noch modifiziert. Es kamen Silikatfarben zum Einsatz, welche die bauphysikalischen und ästhetischen Forderungen, aber auch jene nach Dauerhaftigkeit erfüllen.

Referat Annelise Zwez, Kunstkritikerin (pdf 20 KB)